MINTspiriert durch Dr. Kristina Lampe und Theresa Naendorf
In dieser Folge von MINTspiriert! – der zdi-Podcast spricht Gwendolyn Paul mit Dr. Kristina Lampe, Studiengangsleiterin des Frauenstudiengangs Technologie und Management an der Hochschule Ruhr West, und Theresa Naendorf, die dort den Vorgängerstudiengang Frauenstudiengang Maschinenbau besucht hat.
Welche Vorteile bringt ein Studiengang, der jungen Frauen zu Beginn Raum gibt, sich fachlich und ohne Rollenklischees in einem technischen Studium auszuprobieren? Dr. Kristina Lampe und Theresa Naendorf berichten über die Erfahrungen mit monoedukativen Studienphasen, den Zusammenhalt unter den Studentinnen und darüber, warum Netzwerke und weibliche Vorbilder für Frauen im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz: MINT) wichtig sein können.
Diese Podcast-Folge ist Teil des zdi-Heldinnen-Oktobers. Jedes Jahr im Oktober rückt die Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch Innovation NRW (kurz: zdi.NRW) weibliche Vorbilder aus dem MINT-Bereich in den Mittelpunkt, räumt mit Klischees auf und zeigt, dass MINT für alle ist.

In diesem Beitrag findet Ihr das Transkript der Folge. Die aktuelle Folge findet Ihr auch auf YouTube, Apple Podcast und Spotify.
Weitere Informationen zum Podcast und alle Folgen findet Ihr hier:
Begrüßung
Sprecherin:
Bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast nehmen wir euch mit in die MINT-Community und holen uns von unseren Gäst:innen Inspirationen zu MINT-Themen.
Gwendolyn Paul:
Willkommen bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast Ich bin Gwendolyn Paul von der zdi-Landesgeschäftsstelle und begrüße euch heute zu einer besonderen Folge, denn es ist zdi-Heldinnen-Oktober. Jedes Jahr im Oktober stellen wir bei zdi.NRW Mädchen und Frauen im MINT-Bereich in den Vordergrund. Schaut dazu gerne auch auf zdi-heldinnen.de vorbei für weitere Infos. Welche Vorteile bringt ein Studiengang der jungen Frauen in den ersten Semestern Raum gibt, sich fachlich und ohne Rollenklischees in einem technischen Studiengang auszuprobieren?
Darüber möchte ich heute sprechen, und zwar mit Dr. Kristina Lampe, der Studiengangsleiterin des Frauenstudiengangs Technologie und Management an der Hochschule Ruhr West und mit Theresa Naendorf. Theresa Naendorf hat den Frauenstudiengang Maschinenbau besucht. Das ist der Vorgänger des jetzigen Studiengangs an der Hochschule Ruhr West.
Wir sprechen darüber, was eine monoedukative Studienphase ändern kann, welche Erfahrungen die Studentinnen machen und welche Vor- und Nachteile ein solcher Frauenstudiengang bieten kann. Herzlich willkommen an Sie beide.
Dr. Kristina Lampe:
Dankeschön. Dankeschön.
MINTspiration: Was wäre, wenn MINT eine Maschine wäre?
Gwendolyn Paul:
Dann starten wir natürlich auch bei Ihnen zu Beginn mit unserer Was wäre wenn Frage? Die kommt immer am Anfang des Podcasts.
Sprecherin:
MINTspiration: Was wäre wenn?
Gwendolyn Paul:
Und die lautet heute. Was wäre, wenn MINT eine Maschine wäre? Welche Eigenschaften hätte sie? Frau Lampe, wollen Sie einmal starten?
Dr. Kristina Lampe:
Sehr gerne. Auf jeden Fall wäre sie multifunktional. Sie hätte digitale Schnittstellen. Sie wäre sehr effizient, bräuchte wenig Energie und nutzt wenig Ressourcen. Und sie wird durchsichtig, so dass man von Anfang an versteht, wie sie funktioniert und sie gerne anwendet.
Gwendolyn Paul:
Sehr transparent.
Dr. Kristina Lampe:
Ja.
Gwendolyn Paul:
Frau Naendorf, wie würde bei Ihnen MINT als Maschine aussehen?
Theresa Naendorf:
Also, ich glaube, wenn MINT eine Maschine wäre, dann wäre diese sehr bunt und sehr vielfältig. Ich glaube auch, dass jedes Rädchen ins nächste Rädchen greift und das ist eben alles sehr sauber läuft und dass eben diese Maschine eben für andere Maschinen genutzt werden kann und dass eine Maschine die andere fortführt und dass man eben durch diese MINT Maschinen jeweils in ein anderes Themenfeld greifen kann.
Gwendolyn Paul:
Viele Rädchen, die ineinandergreifen. Auf jeden Fall.
Warum die Hochschule Ruhr West einen Frauenstudiengang anbietet
Gwendolyn Paul:
Dann würde ich sagen, dann hüpfen wir einmal von den Maschinen zu den Menschen und zu einem, wie ich finde, besonderen Studiengangskonzept. Vielleicht Frau Lampe, können Sie zum Anfang einmal sagen, warum bietet die HRW überhaupt diesen Frauenstudiengang an und wie ist es dazu gekommen? Wie wurde der entwickelt?
Dr. Kristina Lampe:
Sehr gerne. Also im Endeffekt geht es darum, dass wir sagen okay, wir haben immer noch sehr, sehr wenig Frauen in technischen oder MINT Fächern in technischen Bereichen. Bei uns am Institut Maschinenbau gab es die geringste Frauenquote. Ich sage bewusst gab. Und das war der Grund, warum wir damals gesagt haben, wir möchten noch eine andere Art Einstieg für junge Frauen in technische oder MINT Bereiche schaffen und einfach noch mal ein anderes Format auswählen und haben uns dabei gar nicht so sehr auf eine feste Zielgruppe eingeschossen, außer dass es halt weibliche Personen sein sollten, um einfach ein Gefühl von Ich komme jetzt nicht in eine riesen Männergruppe und falle damit automatisch direkt auf, jeder kennt meinen Namen, jeder guckt genau, was ich mache einfach ja, ich sag mal eine Art Studium, so wie jeder andere auch studiert gewährleisten zu können. Also es ist halt automatisch so, dass man auffällt in dieser extremen Disparität, würde ich sagen. Und das war einfach ein Grund, dass wir gesagt haben, wir wollen einen Studiengang haben, der auch nicht exklusiv nur monoedukativ ist, sondern bewusst den Einstieg. Das heißt, damals waren es die ersten vier Semester, jetzt im Technologie und Management, in dem weiterentwickelten Studiengang auch ein Bachelor of Engineering, da sind es nur zwei Semester, um sich erstmal einzufinden, überhaupt zu gucken, wie funktioniert Studieren, was kann ich, was mache ich gerne, was wo sind, wo liegen meine Stärken, meine Interessen? Und sich einfach mal wirklich auszuprobieren und Raum zu geben. Und das, ich sag mal unter Gleichgesinnten, also dass man wirklich einfach eine schöne, offene Atmosphäre hat, in der man einfach nur studieren kann, wie alle anderen auch.
Mehr Studentinnen am Institut Maschinenbau
Gwendolyn Paul:
Ich habe direkt zwei Nachfragen dazu. Zum einen haben sie gesagt, es war die niedrigste Frauenquote. Gab es eine Steigerung im Maschinenbau? Und dieser Wechsel von vier monoedukativen Semestern zu nur noch zwei ist ja jetzt sozusagen der Schritt zur Weiterentwicklung, also, oder einen Schritt zur Weiterentwicklung des Studiengangs. Auf was für Rückmeldungen basiert das? Also warum wurde das reduziert?
Dr. Kristina Lampe:
Okay, dann vielleicht erst Frage eins. Also wir haben es tatsächlich geschafft durch die Einführung eines Frauen Studiengangs, egal ob es Maschinenbau oder TuM (Technologie und Management) ist, unsere Anzahl an weiblichen Studierenden am gesamten Institut Maschinenbau mehr als zu verdoppeln. Und das ist halt einfach wirklich, wir sehen, dass die Strahlkraft nicht nur im Studiengang selber, sondern generell am Institut auch zugenommen hat. Das ist klar, sind zum einen auch Entwicklungen generell in der Gesellschaft, aber auch dieses mehr Aufmerksamkeit und mehr Akzeptanz für diese Themen schaffen. Und ich glaube, das ist ein großer Schritt, den wir da Stück für Stück angehen.
Vom Frauenstudiengang Maschinenbau zu Technologie und Management
Dr. Kristina Lampe:
Und Frage zwei war die Entwicklung von vier auf zwei Semester? Es waren inhaltlich ein gleich aufgebauter Studiengang, der Frauenstudiengang Maschinenbau und in Anführungsstrichen der gemischte Studiengang Maschinenbau. Und da war es so, dass die ersten vier Semester wirklich getrennt in der Gruppe liefen und ab dem fünften Semester unsere Studentinnen einfach mit den anderen Studierenden des koedukativen Maschinenbaus zusammen studiert haben und dann sich zusammen in die Veranstaltung gesetzt haben. Jetzt haben wir das so, dass wir zwei Semester rein monoedukativ haben für diesen wirklich expliziten Einstieg und dann ab dem dritten Semester auch nicht alle Module öffnen. Wir haben da wirklich sehr speziell geschaut und hinterfragt und mit unseren Studierenden und Studentinnen gemeinsam geschaut, wo sind wo wäre ein Raum, der sich immer noch als monoedukativ anbietet? Und was wären Fächer, die wir öffnen könnten? Das heißt, wir haben dann teilweise sowohl von unserem Maschinenbaustudiengang haben wir, dass wir unsere Studentinnen, die im Frauenstudiengang gestartet sind, im Endeffekt in die Pflichtmodule aus dem Frauen- aus dem Studiengang Maschinenbau mit integrieren. Aber nicht nur im Maschinenbau, so wie das früher war, sondern wir haben jetzt, ich sag mal ein Multi Studiengang Konzept und das ist sehr exklusiv für diesen Studiengang. Zumindest bei uns an der Hochschule, sage ich mal, aber ich habe das generell noch nicht oft gehört.
Fachwissen, Kommunikation und Projektmanagement verbinden
Dr. Kristina Lampe:
Wir haben es nämlich so, dass wir gesagt haben okay, was soll ein Ingenieur eine Ingenieurin später können? Und es kommt immer mehr das Thema, dass sie nicht nur irgendwelche Fachnerds sind, sondern dass sie auch in der Lage sind zu kommunizieren, im Team zu arbeiten, genau verschiedene Sichtweisen zu integrieren, Projekte zu managen, sich zu organisieren. Und das sind Dinge, wo wir gesagt haben Dem wollen wir Raum geben. Einmal einmal auf inhaltlicher Ebene, dass wir wirklich auch viele neue Module in dem Bereich geschaffen haben und aber auch durch die Kopplung an ganz viele verschiedene Studiengänge. Das heißt, dieses Konzept zwei Semester unter sich, okay, ab dem dritten Semester werden verschiedenste Module immer wieder geöffnet. Bedeutet, dass Sie dann ab dem dritten Semester beispielsweise von fünf Modulen zwei noch monoedukativ haben und die anderen drei verteilt in anderen Studiengängen. Das heißt, sie gehen gemeinsam für das Modul Qualitätsmanagement zu den Sicherheitstechnikern. Sie gehen gemeinsam für das Modul Energietechnik zu den Energie- und Umwelttechnikern. Und das ist halt schön, weil sie wirklich sehr viele verschiedene Studiengänge mit verschiedensten Kompetenzen kennenlernen, dabei sehr projektorientiert arbeiten. Das ist ein anderer Fokus, den wir beim Studiengang bei der Entwicklung wirklich beachtet haben.
Gwendolyn Paul:
Ich finde es total spannend, weil es ja auch sehr auf Zukunft gerichtet ist und verschiedene Kompetenzen. Das ist ja auch beim Thema Future Skills, dass es eben nicht nur um die Fachkompetenz geht, sondern dass unterschiedliche Kompetenzen zusammenwirken können. Und dann ist in Ihrem Fall eben nicht nur dieser Frauenaspekt ein fortschrittlicher Aspekt, sondern auch das Thema, wie man einen Studiengang aufbaut.
Kleine Lerngruppen und Zusammenhalt unter den Studentinnen
Gwendolyn Paul:
Aber ich würde trotzdem noch mal aus Ex-Studentinnen-Sicht hören, vielleicht, welche Vorteile es gab durch die Monoedukation. Also sie haben ja dann die vier Semester dann noch mitgemacht. Wie war das? Was war der Vorteil?
Theresa Naendorf:
Es gab tatsächlich einige Vorteile. Also zum einen waren das ganz klar auch eben diese kleinen Lerngruppen. Ich glaube, die hätte man auch in anderen Studiengängen. Aber ich glaube auch einfach, dass diese Lerngruppe so eine Dynamik hatte von Freundschaft und Verbundenheit. Also das habe ich bis jetzt noch nicht irgendwo anders erlebt. Auch wenn man dann vielleicht in diesen koedukativen Studiengängen auch kleinere Lerngruppen hätte. Aber man war halt immer zusammen im selben Boot. Man hat sich gegenseitig unterstützt. Wir sind teilweise sind wir alle zusammen in die Mensa gegangen. Wir haben uns nach der Uni manchmal für Lasertag getroffen.
Gwendolyn Paul:
Guter Zusammenhalt dann auch dadurch, dass es so in so Gruppen war.
Theresa Naendorf:
Genau, ja, und man hat eben zusammen gelernt. Wir hatten eine große WhatsApp Gruppe, auch jahrgangsübergreifend, sozusagen mit denen, die nach uns kamen, mit denen, die vor uns kamen. Da konnte man immer Fragen stellen. Genau eben solche Sachen.
Wann zeigt sich, dass das Studienkonzept aufgeht?
Gwendolyn Paul:
Toll. Vielleicht noch mal auch an Sie beide gerichtet. Gibt es eine Situation jetzt im Rückblick oder im Blick auf den Studiengang, wo Sie gemerkt haben okay, das Konzept geht auf. Das lohnt sich, das so umzusetzen. Also einmal aus Ihrer Studiengangsleiter Sicht, einmal auch aus der Sicht der Studentin, die das mitgemacht hat.
Dr. Kristina Lampe:
Ja, also ich würde sagen, auf jeden Fall. Punkt eins: Es ist total schön. Ich begleite als Studiengangsleitung, ich lehre auch einige Module. Ich begleite unsere Studentinnen in der Regel von Anfang bis Ende und habe auch relativ viel Kontakt zu unseren Studentinnen. Begleite viele Projektarbeiten, Bachelorarbeiten, Praxissemester. Das heißt, man merkt schon, dass der Draht recht eng ist. Heißt aber auch, man bekommt relativ viel mit. Also ich sehe, wie die Leute anfangen und ich sehe, wo die Leute enden. Und das ist so schön zu sehen, wie extrem intensiv diese persönliche Entwicklung ist, unabhängig von wirklich dieses Freundschaften bilden und die unsere Studenten fühlen sich wohl. Es ist einfach enorm zu sehen, wie stark die persönliche Entwicklung einfach Raum bekommt, aber auch, dass es aber auch einige sind, die sagen okay, ich ich wäre niemals in so einen Bereich. Ich hätte das gar nicht so mitgekriegt, oder ich habe gedacht, ich stehe an einer ganz anderen Stelle und habe festgestellt das ist ja eigentlich voll alltäglich und logisch. Und es geht um Probleme lösen, das können wir alle. Und das ist was, was man wirklich wo man sagen würde, da sieht man, das hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Aus der Perspektive einer Absolventin
Gwendolyn Paul:
Ja, und aus Sicht der Ex-Studentin?
Theresa Naendorf:
Ja, genau. Also ich glaube, ich kann da nur zustimmen. Bzw. Ich glaube, ich bin diese Studentin, die sich das niemals hätte vorstellen können im Maschinenbau jemals zu arbeiten. Aber dann, als man eben diesen Studiengang angefangen hat, hat man halt gemerkt, wie toll das ist. Also auch, dass man, dass es so vielfältig ist, dass man sehr kreativ ist. Das hätte ich niemals gedacht. Und ja, ich glaube, dieser Start eben in diesem monoedukativen Studiengang, der war sehr, sehr gut für mich, weil man sich eben nicht hat durchboxen müssen, sondern man hat eben die Fächer so kennengelernt, wie man sie halt kennenlernen sollte, ohne dass man noch zusätzliche Belastungen hat. Und auch im Nachhinein, also wir sind alle immer noch, also auch die Absolventen sind immer noch in dieser WhatsApp Gruppe. Wir schreiben da immer rein. Habt ihr gesehen? Hier gibt es noch eine Messe. Habt ihr gesehen? Hier gibt es ein Praktikum. Hat jemand Zeit, mir irgendwie zu helfen? Und dieses Netzwerk ist, glaube ich, einfach unersetzbar. Also, das kriegt man einfach nicht mit, wenn man in diesem Koedukativen direkt startet, weil man einfach gar nicht diese Möglichkeit hat, sich so zu vernetzen. Oder auch die Anzahl an Frauen einfach so im Koedukativen. Wie Kristina schon gesagt hatte, am Anfang war eben drei von einhundertzwanzig Studenten sind Frauen. Und dieses Netzwerk, das kriegt man nicht, wenn man woanders anfängt.
Gwendolyn Paul:
Schon ein besonderer Zugang. Toll. Ja, ja. Jetzt haben wir schon gehört, dass die HRW vielleicht nicht nur für Frauen, aber auch für Frauen ein besonderer Ort ist, oder ein guter Ort ist, um sich MINT zu widmen.
MINTspiration: Lieblings-MINT-Orte
Sprecherin:
MINTspiration: MINT-Orte.
Gwendolyn Paul:
Wir stellen im Podcast immer die Frage nach dem Lieblings-MINT-Ort. Vielleicht ist das die HRW, also ein besonderer Ort an der Uni, aber das würde ich natürlich auch gerne von Ihnen beiden wissen, was ihr Lieblings-MINT-Ort in NRW oder auch darüber hinaus ist. Also es muss nicht nur in NRW sein.
Dr. Kristina Lampe:
Mein Lieblings-MINT-Ort. Also ich, ich liebe schon immer die Anwendung zur Chemie und bin irgendwie sehr in den Werkstoffwissenschaften glücklich geworden. Deswegen würde ich sagen auf jeden Fall von Anfang an das Werkstofflabor hier an der Hochschule. Also da fühle ich mich sehr wohl, da bin ich sehr gerne, da arbeite ich sehr gerne und ich würde einen zweiten nennen. Mittlerweile arbeite ich auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und im Energietechnik Bereich. Und da arbeite ich auch super gerne in den Laboren, denn das ist einfach immer schön, wenn man irgendwas machen kann, mit der Hand irgendwas anfassen kann, sich angucken kann, wie irgendwas reagiert und nicht nur Simulationen, Analysen und Zahlen sieht, sondern auch immer sieht. Funktioniert das wirklich oder nicht?
Gwendolyn Paul:
Also wirklich so ein direkter praktischer Bezug dann auch. Ja, ja, und noch ein weiterer Lieblings-MINT-Ort.
Theresa Naendorf:
Ich glaube aufgrund meiner wenigeren Praxiserfahrung bzw auch, dass ich eben die Coronazeit komplett mitgemacht habe, kann ich gar nicht so richtig einen Ort benennen. Aber ich würde sagen, dass es eigentlich die eigenen vier Wände sind. Also immer wenn man ein Problem zu Hause hat und man kann es lösen durch das Studium oder durch die Art, wie man jetzt denkt, ist es auf jeden Fall ein cooles Gefühl, eben praxisnah dann was aus dem Studium mitzunehmen, was man zu Hause umsetzen kann.
Gwendolyn Paul:
Ja, spannende Idee, dann macht quasi MINT den Ort zu etwas Besonderem. Also dann ja auch ein spannender Blick. Danke.
Wie Theresa Naendorf zum Maschinenbau kam
Gwendolyn Paul:
Ich würde gerne einmal jetzt noch auf den, ja, auf den Werdegang kommen bei Ihnen. Sie haben gerade ja schon gesagt, ohne den Frauenstudiengang hätten Sie wahrscheinlich Maschinenbau als Fach gar nicht gewählt. Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Wir haben ja gerade schon gehört, es ist jetzt nicht so der typischste Studiengang für Frauen. Gab es in der Schule schon Berührungspunkte zu MINT? Gab es bestimmte Fächer oder Vorbilder, die dazu beigetragen haben?
Theresa Naendorf:
Genau. Also in der Schulzeit hatte ich eigentlich vor, Medizin zu studieren, aber ich hatte den NC nicht und ich hatte dann überlegt, welche Fächer es noch gibt. Und da wäre natürlich Medizintechnik einfach gewesen, was da gewesen wäre zum Studieren. Aber mit Medizintechnik ist man eben sehr eingeschränkt. Man kann dann nur Medizintechnik machen. Genau. Und mein Vater, der ist ebenfalls Ingenieur, der hat mir vorgeschlagen. Komm, bist doch nicht so schlecht in Mathe. Fang doch einfach mal Maschinenbau an, damit kannst du immer noch in die Medizintechnik gehen. Aber man ist eben breiter aufgestellt. Man hat sich nicht direkt von vornherein festgelegt. Und ich glaube, das war eine sehr gute Empfehlung, weil man merkt jetzt eben, wie vielfältig das alles ist. Und. Ja genau. Kristina arbeitet sie ja zum Beispiel auch in der Luft- und Raumfahrt. Und ja, vielleicht ist das auch ein Vorbild für mich, dass ich da auch gerne hin will. Genau. Ja.
Gwendolyn Paul:
Wie haben Sie von dem Frauenstudiengang erfahren? Also hat der dann den Ausschlag gegeben. Okay, dann mache ich das hier.
Theresa Naendorf:
Ja, genau. Das war tatsächlich auch mein Vater. Er hatte das irgendwie in der Zeitung gelesen. Das war die erste Kohorte. Hat, glaube ich, vor mir das Jahr gestartet. Und dann gab es eben einen Zeitungsbericht darüber. Seht her, hier ist der Frauenstudiengang gerade im Gange. Wer Lust hat, ihr könnt euch noch anmelden. Genau. Und dann habe ich mich da einfach mal eingeschrieben. Einfach mal, um zu sehen, was ist das überhaupt? Und ich glaube, dann hat mich das erste Semester eben sehr überzeugt, das weiterzumachen und auch zu sehen. Es macht Spaß. Es war anspruchsvoll, aber es ist nicht so anspruchsvoll, wie die Leute manchmal glauben.
Wo verlieren wir Mädchen auf dem Weg in den MINT-Bereich?
Gwendolyn Paul:
Vielleicht noch mal ein bisschen allgemeiner zum Thema: Wo verlieren wir am meisten die Mädchen auf dem Weg Richtung MINT? Also was sind so Punkte, wo man gut ansetzen kann, um eben doch die Motivation oder auch vielleicht anfängliche Begeisterung einfach zu halten und zu fördern?
Dr. Kristina Lampe:
Ich glaube, die Frage treibt uns alle um. Also ich stelle fest, der Kontakt oder das Interesse ist oft da. Manchmal wissen sie auch gar nicht, dass es dann ein bestimmter Bereich ist. Aber sie sind neugierig. Sie versuchen Dinge herauszufinden, wollen wissen, wie was funktioniert. Und dann ist es, glaube ich, eher so ein bisschen die Sozialisation und dass man irgendwann sich auch sehr orientiert daran, was andere machen und wo andere hinwollen. Und selbst wenn da jemand ist, der technisches Interesse hat. Also ich habe wirklich schon mit vielen solcher Schülerinnen gesprochen, die in dem Moment sagen meine Freundinnen gehen aber alle an die Uni studieren und wollen da irgendwas studieren und ich würde gerne auch an der Stelle mit meinem Netzwerk weitergehen und nicht irgendwie so ein bisschen eine Sonderstellung einnehmen. Und ich glaube, da ist der Punkt Netzwerk, den Teresa eben auch schon angesprochen hat, auch ein riesen ausschlaggebender Faktor. Und wenn man da mehr Vielfalt hinkriegt. Wie auch immer, wenn wir das wüssten, wenn wir weitermachen, dann glaube ich, kommt man an der Stelle auch weiter. Ich glaube, vieles, was da ansetzt, noch mal explizit das Interesse auch und auch positive Rückmeldungen zu geben und das Interesse zu bestärken, das nicht nur vielleicht eine Person, sondern wirklich zwei, drei Freundinnen zusammen in die Richtung gehen, dann ist das glaube ich ein sehr motivierender Faktor.
Gwendolyn Paul:
Dass man auch nicht so eine Sonderrolle hat dann immer, dann ist man so exponiert auch in dieser Position.
Dr. Kristina Lampe:
Und muss den Weg. Ich sag mal alleine gehen. Und das ist halt schwierig.
Gwendolyn Paul:
Ja, ja.
Dr. Kristina Lampe:
Das macht es einfach komplett, egal ob das Männlein oder Weiblein ist. Das macht es schwieriger. Ja.
Technische Studiengänge ausprobieren und Selbstzweifel überwinden
Gwendolyn Paul:
Wie sieht es bei Ihnen aus? Sehen Sie auch Punkte, wo man ansetzen könnte, um die Begeisterung der Mädchen, sie haben es ja gerade gut beschrieben, Frau Lampe. Also die ist ja da. Es ist ja nicht so, dass Mädchen sich per se nicht dafür interessieren würden. Es gibt halt Brüche. Vielleicht aus Ihrer Sicht auch noch mal, ja.
Theresa Naendorf:
Also ich kann mich da auf jeden Fall nur anschließen, was Kristina alles gesagt hatte. Ich glaube, ich würde noch dazu ergänzen, dass es eben ein ein Risiko gibt. Also dass zum Beispiel, Männer fühlen sich eher risikobereiter, zum Beispiel solche Dinge einfach mal auszuprobieren. Und Frauen wollen direkt in diese Sicherheit, so, wo sehe ich mich dann in fünf zehn Jahren und denken gar nicht: Oh, ich kann jetzt auch mal ein halbes Jahr – Was ist ein halbes Jahr? – kann ich einfach mal studieren und das ausprobieren und dann hinterher immer noch sagen Kann ich das machen, will ich das nicht machen? Und eventuell spielt da auch noch dann so eine Angst rein, von wegen ich kann es nicht, obwohl man es eigentlich könnte. Ich glaube, da sind Frauen auch eher prädestiniert, sich zu unterschätzen. Wie gesagt, Maschinenbau ist hart, aber eben nicht so hart, wie die Leute denken, weil man kann sich hinsetzen, man kann dafür lernen und man kann es schaffen. Und ich glaube, dass Frauen eventuell im Vorhinein schon sagen würden ich kann es nicht schaffen. Und deswegen probiere ich es nicht aus, obwohl man es auch einfach mal ein Semester ausprobieren könnte und es dann weiß, dass man es schaffen kann.
Gwendolyn Paul:
Weil der Druck des Scheiterns oder gesellschaftliche Erwartungshaltung vielleicht auch höher sind.
Warum weibliche Vorbilder im MINT-Bereich wichtig sind
Gwendolyn Paul:
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht weibliche Vorbilder? Ist das ein wichtiger Faktor, um sich für etwas zu interessieren oder überhaupt erst mal Zugang zu finden?
Theresa Naendorf:
Auf jeden Fall ein hundert Prozent. Also ich sehe es gerade auch in meinem Studium. Ich hatte. In meinem Bachelor hatte ich eben dieses Privileg, ich hatte Frau Lampe, ich hatte Frau Dorschu und die haben uns beigebracht, Mathe und Physik, Naturwissenschaften. Und jetzt sehe ich das in meinem Master. Ich habe nur männliche Mitstudenten, ich habe nur männliche Professoren. Ich hatte jetzt das erste Mal seit zwei Jahren eine weibliche Professorin und man merkt, dass man dieses Vorbild eben nicht mehr hat, dass man eine andere Sicht hat, dass es auch zum Beispiel andere Beispiele im Unterricht gibt und dass man eben dieses Vorbild irgendwo ein bisschen verliert. Und ja, ich glaube, dass Vorbilder sehr, sehr wichtig sind, dass es eben aber auch schon von klein auf vorgelebt wird, dass eben Frauen das auch alles schaffen können.
Sichtbare Karrierewege und Einblicke in technische Berufe
Gwendolyn Paul:
Voll schön, dass es an der HRW so funktioniert, ist ja schon eine Besonderheit. Gibt es denn insgesamt, Frau Lampe, viele weibliche, also viele Dozentinnen an der Uni? Oder ist es eher. Ja.
Dr. Kristina Lampe:
Bei uns auf jeden Fall. Also sowohl auf professoraler Ebene, aber auch unter unseren wissenschaftlichen Mitarbeitenden haben wir wirklich viele Frauen für unser Institut Maschinenbau. Also wir versuchen bei uns im Studiengang auch wirklich viele Frauen aus verschiedenen Branchen aus verschiedenen Positionen mal hierhin kommen zu lassen und einen Gastvortrag zu halten. Es ist immer eine sehr ehrliche Atmosphäre, um einfach wirklich auch mal verschiedene Sichten zu hören und auch zu hören. Was heißt es, als Frau in dem Bereich zu arbeiten? Was kommen da vielleicht für Herausforderungen? Wie gehe ich damit um? Das ist super individuell, aber es gibt einfach mal ein Gefühl von: Da ist Realität da. Die Leute machen das. Die können damit umgehen, die existieren. Und ich glaube, diese Idee, wofür man was macht. Und je mehr man diese Ideen mitgibt und zeigt, dass das funktioniert und auch als Frau gut funktioniert, desto mehr Motivation und desto besser sind auch die Leute am Ende, wenn sie wissen ganz genau, das funktioniert und ich weiß, wofür ich das mache.
Gwendolyn Paul:
Schöne Beispiele und genau das ist ja auch ein Ziel im zdi- Heldinnen- Oktober, dass wir einfach ganz normale, in Anführungsstrichen, sage ich mal, Frauen sichtbar machen und zeigen: Ja, die, die sind im MINT-Bereich, egal in welcher Profession jetzt, aber dass es unterschiedliche Zugänge gibt und dass es die Frauen auch dort gibt, fand ich ein schönes Beispiel gerade. Danke!
Dr. Kristina Lampe:
Finde ich sehr sehr gut, die Heldinnen- Kampagne finde ich richtig toll. Also ich glaube, dass das sehr sehr viel Impact hat.
MINTspiration für die Zukunft
Sprecherin:
MINTspiration: für die Zukunft.
Gwendolyn Paul:
Ich würde zum Abschluss von Ihnen gerne noch eine MINTspiration für die Zukunft hören, und zwar so ein bisschen einmal in die Zukunft blicken. Stellen Sie sich vor, wir sprechen in fünf Jahren noch mal über dieses Thema Frauen im MINT-Bereich. Was wünschen Sie sich? Also, wo stehen wir bis dahin und wie kann der Studiengang bei Ihnen dazu beitragen? Das würde ich gerne, diesen Blick in die Zukunft würde ich gerne noch einmal hören.
Dr. Kristina Lampe:
Also ich glaube, in fünf Jahren sind wir wieder einen Schritt weiter und es wird immer weniger hinterfragt, warum eine Frau jetzt in einem Bereich arbeitet oder unterwegs ist oder Interesse hat. Und ich glaube, das eine ist die Sichtbarkeit, das andere ist wirklich, verschiedenste Alltagssituationen auch immer wieder aufzuzeigen, zu hinterfragen und wirklich Angebote zu schaffen. Ganz bewusst. Ich glaube, wir tragen damit in unserem Studiengang bei, indem wir auch weiter dafür sorgen, und das sollte auch das Hauptziel sein, dass wir für nach dem Studium für dann, wenn es in Industrie und Wirtschaft geht, wenn es in den Jobbereich geht, dass man wirklich heterogenere Teams hat. Und ich glaube, das ist extrem wichtig, dass man einfach wirklich sieht, okay, es werden jetzt Produkte nicht nur aus Männersicht entwickelt, sondern wir haben in diesem Entwicklungsprozess ganz viele verschiedene Perspektiven mit drin. Und das ist nicht nur Mann und Frau, sondern wirklich auch sehr, sehr interdisziplinär und heterogen. Und das macht am Ende ein gutes Produkt aus, wenn wirklich alle sich mit abgeholt fühlen. Und je mehr wir schaffen, unsere Frauen und Mädels dahin zu bringen, desto mehr heterogen und divers können wir auch hinterher arbeiten. Und ich sag mal, die Welt ein bisschen besser machen. Und wenn wir das dann auch noch schaffen, aufzuzeigen und diese Erfolge sichtbar machen, dann sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg.
Mehr Frauen in Technik und Produktentwicklung einbinden
Gwendolyn Paul:
Sehr schöne Vision für die Zukunft. Jetzt wird es schwer für Sie, noch mal den Blick irgendwie was in fünf Jahren so sein könnte. Aber vielleicht können Sie noch was anschließen.
Theresa Naendorf:
Ich fand, das mit dem Research Gap auf jeden Fall sehr schön. Also, dass man in fünf Jahren vielleicht wirklich Frauen besser einbinden kann in die Technik, in die Zukunft. Und dass eben dieser Research Gap kleiner wird. Und dass man eben die Welt einfach besser gestaltet wird. Und dass sich vielleicht auch die jungen Mädchen einfach mal mehr trauen, in die Technik zu gehen und keine Angst mehr davor zu haben. Und vielleicht auch, dass Maschinenbau einfach bekannter wird. Dass man weiß, was ist überhaupt ein Ingenieur, was macht eine Ingenieurin? Und ja, genau das hoffe ich, dass das in fünf Jahren besser sein wird als jetzt.
Gwendolyn Paul:
Vielen Dank. Ich nehme auf jeden Fall mit, dass wir unterschiedliche Perspektiven und Zugänge brauchen und mehr Multiperspektiven, egal ob fachlicher Ebene als auch auf Geschlechterebene. Würde ich jetzt mal so ein bisschen zusammenfassen. Finde ich auf jeden Fall einen guten Blick in die Zukunft. Kann ich mitgehen. Ja.
Verabschiedung
Gwendolyn Paul:
Dann bleibt mir nur noch Danke zu sagen für das spannende Gespräch. Freue mich total, dass es geklappt hat. Und ja, danke auch natürlich an alle Zuhörer:innen, die heute zugehört haben und bis zum nächsten Podcast. Vielen Dank!
Theresa Naendorf:
Dankeschön.
Dr. Kristina Lampe:
Wir bedanken uns auch. Dankeschön.
Gwendolyn Paul:
Alles Gute.
Sprecherin:
Das war MINTspiriert!, der Podcast von zdi.NRW mit Gäst:innen aus der MINT- Community. Fühlt ihr euch MINTspiriert? Dann freuen wir uns über ein Abo und eine Bewertung. Besucht uns auch gerne bei LinkedIn oder auf Instagram. zdi.NRW ist die Gemeinschaftsoffensive für den MINT- Nachwuchs in Nordrhein Westfalen und wird initiiert und koordiniert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Weitere Informationen zu zdi.nrw findet ihr online auf https://zdi.nrw.