Künstliche Intelligenz in der MINT-Bildung – MINTspiriert durch Dr. Thorsten Balgar und Ruzbeh Nagafi

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7–11 Minuten

Transkript der Podcast-Folge 3.4 von MINTspiriert! – der zdi-Podcast

In der 4. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert! – dem Podcast der Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch Innovation NRW (kurz: zdi.NRW) spricht Gwendolyn Paul mit Dr. Thorsten Balgar vom zdi-Netzwerk Gelsenkirchen und Ruzbeh Nagafi von Coderizon über die Rolle Künstlicher Intelligenz (KI) in der MINT-Bildung. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung von KI in der zdi-Netzwerkarbeit sowie KI-Angebote für Kinder und Jugendliche.

In diesem Beitrag findet Ihr das Transkript der Folge. Die aktuelle Folge findet Ihr auch auf YouTube, Apple Podcast und Spotify.

Das Bild zeigt das Cover der 4. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert mit Gwendolyn Paul, Ruzbeh und Dr. Thorsten Balgar.

Weitere Informationen zum Podcast und alle Folgen findet Ihr hier:


Begrüßung

Sprecherin:
Bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast nehmen wir euch mit in die MINT-Community und holen uns von unseren Gäst:innen Inspirationen zu MINT-Themen.

Gwendolyn Paul:
Willkommen bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast. Ich bin Gwendolyn Paul von der zdi-Landesgeschäftsstelle und in dieser Folge geht es um künstliche Intelligenz.

KI ist inzwischen in vielen Bereichen unseres Alltags angekommen und natürlich auch in der zdi-Community. Zwei Aspekte möchten wir deshalb in dieser Folge beleuchten: Zum einen, wie die zdi-Community selbst KI in der Netzwerkarbeit nutzt und zum anderen, wie zdi-Kurse junge Menschen dabei unterstützen können, KI zu nutzen und zu verstehen.

Dazu spreche ich mit Dr. Thorsten Balgar, Koordinator des zdi-Netzwerks Gelsenkirchen. Ganz herzlich willkommen, Thorsten.

Dr. Thorsten Balgar:
Ja, ich freue mich auch hier zu sein und lass mich mal überraschen und bin schon gespannt auf unser Gespräch.

Gwendolyn Paul:
Und mit Ruzbeh Nagafi von Coderizon, ganz herzlich willkommen.

Ruzbeh Nagafi:
Dankeschön.

Gwendolyn Paul:
Ruzbeh entwickelt selbst KI-Anwendungen und führt für die zdi-Community, also zum Beispiel für die zdi-Netzwerke in Düsseldorf und in Minden-Lübbecke, KI-Workshops für Kinder und Jugendliche durch.

Bevor wir ins Thema einsteigen, starten wir aber natürlich mit unserer Einstiegsfrage.


MINTspiration: Was wäre, wenn MINT ein KI-Modell wäre?

Gwendolyn Paul:
Was wäre, wenn MINT ein KI-Modell wäre? Welches Modell wäre es dann und worin wäre es besonders gut?

Dr. Thorsten Balgar:
Wenn MINT ein KI-Modell wäre, dann wäre es gar kein einzelnes KI-Modell, sondern vielleicht eine Mischung aus Modellen, die sich gegenseitig ergänzen. So wäre das, glaube ich, ein optimales Modell und eine gute Vergleichbarkeit. Denn MINT steht ja auch nicht für sich allein genommen für eine Disziplin, auch wenn man den Begriff manchmal so benutzt, als würde eine Disziplin dahinterstecken. Das ist ja gar nicht so, es ist eine riesige Spanne an Möglichkeiten.

Ruzbeh Nagafi:
Heute sind ja die Sprachmodelle multimodal, das heißt, sie verstehen mehrere Arten von Input gleichzeitig: Text, Bilder, Audio. Und genau das ist für mich auch MINT.

In der Schule denkt man ja oft, MINT sei nur Formeln und Rechnen. Aber eigentlich ist es viel mehr. Man beobachtet, experimentiert, misst Daten, stellt eine Hypothese auf, baut etwas und präsentiert das zum Beispiel dann in PowerPoint.

Und genau das sind für mich unterschiedliche Eingänge, aus denen unterschiedliche Ausgänge entstehen. Wie bei einem multimodalen Sprachmodell.

Gwendolyn Paul:
Schönes Bild. Also MINT ist viel mehr als nur ein Eingang und ein Ausgang, sondern hat unterschiedliche Facetten.

Ruzbeh Nagafi:
Absolut.


KI-Kurse für Kinder und Jugendliche

Gwendolyn Paul:
Du bietest im Auftrag von zdi-Netzwerken Kurse an. Worum geht es in den Kursen und was sollen junge Menschen dort lernen?

Ruzbeh Nagafi:
Ich habe ganz frisch zwei Workshops für zdi-Netzwerke durchgeführt. Der erste Kurs hieß „Smile and Play“ und wurde zusammen mit Ekki vom zdi-Netzwerk Düsseldorf entwickelt.

Dort geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur über KI reden, sondern selbst ein KI-Modell trainieren und erleben, wie die Ergebnisse entstehen.

Die KI soll beispielsweise drei Gesichtsausdrücke lernen: lachen, gelangweilt schauen oder böse schauen. Die Teilnehmenden erstellen dafür mit einer Webcam ihre Trainingsdaten, trainieren das Modell und bewerten anschließend das Ergebnis.

Wenn das Ergebnis nicht gut ist, müssen sie zurück ins Training und überlegen, woran es gelegen hat und welche Stellschrauben sie verändern können. Genau dieser Lernprozess macht besonders viel Spaß.

Gwendolyn Paul:
Brauchen die Teilnehmenden Vorkenntnisse?

Ruzbeh Nagafi:
Nein, überhaupt nicht. Ich fange immer bei null an. Wir sprechen über Daten, Training, KI, Halluzinationen und Nachhaltigkeit.

Ich frage zunächst immer: Welche Modelle kennt ihr? Und dann kommt sofort ChatGPT. Manche kennen sogar Claude.

Danach arbeiten wir uns Schritt für Schritt vor und zeigen, dass KI viel mehr ist als generative KI oder Chatbots. In unseren Workshops geht es beispielsweise um Machine Learning, also darum, Bilder oder Audiodaten zu erkennen. Dadurch verstehen die Teilnehmenden, dass KI deutlich mehr umfasst als die bekannten Chatbots.


Datenschutz, Halluzinationen und verantwortungsvoller KI-Einsatz

Gwendolyn Paul:
Thematisierst du auch kritische Aspekte wie Datenschutz, Urheberrechte oder Halluzinationen?

Ruzbeh Nagafi:
Ja, absolut. Ich nehme mir dafür etwa eine halbe Stunde Zeit.

Wir sprechen über aktuelle Entwicklungen, Halluzinationen, Datenschutz und Ressourcenverbrauch.

Das Tool, mit dem wir arbeiten, ist komplett datenschutzsicher. Es gibt keine Server, alle Daten bleiben auf den Geräten der Teilnehmenden.

Außerdem sprechen wir darüber, wie wichtig technologische Souveränität wird. Viele bekannte Systeme kommen aus den USA. Deshalb stellt sich die Frage, wie wir in Europa eigenständig KI entwickeln und nutzen können.

Auch der Ressourcenverbrauch spielt eine Rolle. Rechenzentren benötigen viel Energie. Die Teilnehmenden sollen verstehen, was hinter einer scheinbar einfachen Anfrage an eine KI steckt.

Gwendolyn Paul:
Ist dieses Wissen für viele Kinder und Jugendliche neu?

Ruzbeh Nagafi:
Meinem Eindruck nach ja. Die Technik entwickelt sich sehr schnell weiter. Während wir hier sprechen, werden neue Modelle entwickelt. Ich glaube, dass das Thema künftig stärker in Schulen verankert werden wird.

Gwendolyn Paul:
Welche Kompetenzen brauchen junge Menschen für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI?

Ruzbeh Nagafi:
Sie brauchen Unterstützung dabei, KI sinnvoll zu nutzen. Viele verwenden KI aktuell vor allem für Hausaufgaben.

Dabei kann KI hervorragend beim Lernen unterstützen. Wichtig ist zu verstehen, wie man gute Prompts formuliert und wie man Ergebnisse überprüft.

Man muss erkennen, dass KI halluzinieren kann und Informationen nicht automatisch richtig sind. Deshalb sollte man Quellen kontrollieren und Aussagen überprüfen. Diese Fähigkeit wird immer wichtiger.


MINTspiration: Lieblings-MINT-Orte

Gwendolyn Paul:
Was ist dein Lieblings-MINT-Ort?

Ruzbeh Nagafi:
Der Makerspace an der Ruhr-Universität Bochum.

Wir sind dort jeden Freitag und arbeiten an Projekten. Man trifft Start-ups, Menschen aus der Keramik- und Holzwerkstatt oder aus Medien- und Filmlaboren. Alles findet unter einem Dach statt.

Der Austausch mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ist unglaublich inspirierend. Viele Ideen, an denen wir heute arbeiten, sind dort durch Gespräche entstanden.

Gwendolyn Paul:
Und Thorsten, was ist dein Lieblings-MINT-Ort?

Dr. Thorsten Balgar:
Der Landschaftspark Duisburg-Nord.

Das ist kein klassischer MINT-Lernort. Es ist eine Mischung aus Lernort, Industriedenkmal, Technikmuseum und Freizeitort.

Gerade diese Verbindung macht ihn so spannend. Die alte Stahlindustrie und die Ingenieurskunst, die dort sichtbar werden, finde ich faszinierend und beeindruckend.


KI in der Arbeit der zdi-Community

Gwendolyn Paul:
Du beschäftigst dich intensiv mit KI, warst beim Hackathon des zdi-KI-Labs dabei und nimmst regelmäßig an der Prompt-Pause teil. Wie hilft dir KI konkret in deiner Arbeit?

Dr. Thorsten Balgar:
Ich nutze KI häufig als Diskussions- oder Sparringspartner.

Natürlich sollte man Ergebnisse nicht ungeprüft übernehmen. Aber als Gesprächspartner, der jederzeit verfügbar ist, funktioniert KI sehr gut.

Oft reichen ein oder zwei Impulse, um einen neuen Blickwinkel zu entdecken oder auf Ideen zu kommen, die man im gewohnten Umfeld vielleicht nicht entwickelt hätte.

Gwendolyn Paul:
Kannst du ein Beispiel nennen?

Dr. Thorsten Balgar:
Ein konkretes Beispiel ist die Zuordnung von Nachhaltigkeitszielen, den SDGs, zu neuen Maßnahmen.

Bestimmte Ziele hat man sofort im Kopf, beispielsweise hochwertige Bildung. Die KI hilft aber dabei, weitere Aspekte sichtbar zu machen, die man selbst vielleicht übersehen hätte.


Was das zdi-KI-Lab für die Community bietet

Gwendolyn Paul:
Welche Unterstützung hast du durch das zdi-KI-Lab erhalten?

Dr. Thorsten Balgar:
Der Hackathon in Erkrath war sehr hilfreich.

Wir hatten produktive Arbeitsgruppen, zahlreiche Praxisbeispiele und intensive Diskussionen mit Fachleuten.

Besonders viel habe ich zum Thema Systemprompts mitgenommen. Sie helfen dabei, für wiederkehrende Aufgaben feste Rahmenbedingungen zu definieren und eine KI gezielt einzusetzen.

Außerdem war der Austausch mit anderen Koordinator:innen wertvoll. Man erfährt, wie andere arbeiten, welche Erfahrungen sie gemacht haben und welche Ideen für den KI-Einsatz bereits existieren.

Gwendolyn Paul:
Und wie blickst du auf die Prompt-Pause?

Dr. Thorsten Balgar:
Sehr positiv. Das Format ist niedrigschwellig und unkompliziert.

Man kann sich jederzeit zuschalten und erhält praktische Einblicke in Alltagsthemen rund um KI. Dabei werden technische Fragen, Praxisbeispiele und auch gesellschaftliche Perspektiven behandelt.

Für Menschen ohne Vorkenntnisse ist das ein guter Einstieg.


Wann KI die eigene Arbeit verändert

Gwendolyn Paul:
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass KI deine Arbeit verändern wird?

Dr. Thorsten Balgar:
Mich beeindruckt, wie gut moderne Deep-Learning-Modelle inzwischen selbst komplexe oder zahlenbasierte Fragen beantworten können.

Besonders bei Excel-basierten Fragestellungen sind die Ergebnisse oft erstaunlich präzise.

Ich kontrolliere die Ergebnisse zwar weiterhin. Aber einmal hat die KI tatsächlich einen Fehler in meiner eigenen Tabelle entdeckt. Und sie hatte recht.


MINTspiration: Für die Zukunft

Gwendolyn Paul:
Thorsten, wie sieht dein Wunschbild für die MINT-Bildung in fünf Jahren aus?

Dr. Thorsten Balgar:
Ich wünsche mir, dass MINT noch selbstverständlicher zum Alltag und zur Freizeit von Kindern und Jugendlichen gehört.

Viele junge Menschen gehen in Sportvereine oder andere Freizeitangebote. Ich würde mir wünschen, dass MINT einen ähnlich hohen Stellenwert erhält und noch mehr Schülerinnen und Schüler begeistert.

Gwendolyn Paul:
Ruzbeh, wie sieht dein Wunschbild für KI in der außerschulischen Bildung aus?

Ruzbeh Nagafi:
Fünf Jahre sind in der KI-Welt eine lange Zeit.

Mir ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler KI nicht nur als Werkzeug verstehen, sondern aktiv damit gestalten.

Außerdem glaube ich, dass Robotik in den kommenden Jahren enorm an Bedeutung gewinnen wird. Deshalb wünsche ich mir, dass Robotik und KI noch stärker in Bildungsangeboten verankert werden und Kinder die Möglichkeit bekommen, diese Technologien praktisch kennenzulernen.


Verabschiedung

Gwendolyn Paul:
Dann ganz herzlichen Dank an euch beide für das spannende Gespräch.

Dr. Thorsten Balgar:
Ja, ich bedanke mich.

Ruzbeh Nagafi:
Vielen Dank. Es hat super Spaß gemacht und ich freue mich auf eure kommenden Folgen. Bis bald.

Gwendolyn Paul:
Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Podcast.

Sprecherin:
Das war MINTspiriert! – der Podcast von zdi.NRW mit Gäst:innen aus der MINT-Community. Fühlt ihr euch MINTspiriert? Dann freuen wir uns über ein Abo und eine Bewertung. Besucht uns auch gerne bei LinkedIn oder auf Instagram. zdi.NRW ist die Gemeinschaftsoffensive für den MINT-Nachwuchs in Nordrhein-Westfalen und wird initiiert und koordiniert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Weitere Informationen findet ihr auf zdi-portal.de.