Jugendliche einbinden durch Wettbewerbe – MINTspiriert! durch Grit Schiefelbein, Fabio Mancarella und die zdi-Science League

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8–12 Minuten

Transkript der Podcast-Folge 3.2 von MINTspiriert! – der zdi-Podcast

In der 2. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert! – dem Podcast der Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch Innovation.NRW (kurz: zdi.NRW) spricht Gwendolyn Paul mit Grit Schiefelbein von der Roboter-AG der B.M.V.-Schule Essen und Fabio Mancarella von der zdi-Landesgeschäftsstelle über Jugendbeteiligung in der MINT-Bildung. Im Mittelpunkt steht die zdi-Science League: ein Wettbewerb, bei dem Jugendliche eigene Ideen entwickeln, Projekte umsetzen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem geht es um Future Skills, Teamarbeit und die Frage, wie Beteiligung in der außerschulischen MINT-Bildung gelingen kann.

In diesem Beitrag findet Ihr das Transkript der Folge. Die aktuelle Folge findet Ihr auch auf YouTube, Apple Podcast und Spotify.

Podcast-Ankündigung „MINT SPIRIERT!“ mit Gwendolyn Paul, Grit Schiefelbein und Fabio Mancarella

Weitere Informationen zum Podcast und alle Folgen findet Ihr hier:


Begrüßung

Sprecherin:

Bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast nehmen wir euch mit in die MINT-Community und holen uns von unseren Gäst:innen Inspirationen zu MINT-Themen.

Gwendolyn Paul:

Willkommen bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast. Ich bin Gwendolyn Paul von der zdi-Landesgeschäftsstelle und heute spreche ich mit Grit Schiefelbein und mit Fabio Mancarella über das Thema Jugendbeteiligung und über die zdi-Science League.

Fabio ist als Mitarbeiter der zdi-Landesgeschäftsstelle unter anderem verantwortlich für die Organisation und für die Umsetzung der Science League. Und Grit ist eine von vier Coaches des zdi-Science-League-Teams „Roboter diese“. Außerdem organisiert sie die Roboter-AG am B.M.V.-Gymnasium in Essen. Und aus dieser AG ist das Science-League-Team entstanden. Und sie studiert auch noch.

Da bin ich gespannt, was sie zu berichten hat. Herzlich willkommen, ihr beiden. Schön, dass ihr da seid.


MINTspiration: Was wäre, wenn MINT ein Teamsport wäre?

Gwendolyn Paul:

Was wäre, wenn MINT ein Teamsport wäre? Oder anders gefragt: Welche Eigenschaften braucht man sowohl für den Teamsport als auch für den MINT-Bereich?

Fabio Mancarella:

Ich denke wichtige Eigenschaften, die die Teilnehmenden vor allen Dingen mitbringen müssen, sowohl ob es ein Mannschaftssport ist oder jetzt in dem Fall über die zdi-Science League, ist auf jeden Fall Teamfähigkeit.

Das ist sehr wichtig im MINT-Bereich natürlich auch, da man Projekte kaum alleine stemmen kann. Da ist Teamarbeit ein absolutes Muss.

Ansonsten Durchhaltevermögen ist natürlich noch ein wichtiger Punkt. Das sollte man auch sowohl im Mannschaftssport mitbringen, als natürlich auch bei der Science League, weil man immer wieder auf Herausforderungen und Probleme stoßen wird und diese gemeinsam lösen muss.

Ansonsten ist es wahrscheinlich auch noch von Vorteil, etwas analytisches Denken mitzubringen.

Grit Schiefelbein:

Ich kann mich da im Wesentlichen Fabio anschließen. Ich würde allerdings noch zwei Eigenschaften ergänzen.

Das wäre einmal Frustrationstoleranz und ansonsten würde ich auch noch anfügen, ich würde es nennen Showmanship. Also einfach sich hinstellen zu können, etwas präsentieren zu können und auch gut damit umgehen zu können, wenn es mal nicht so gut läuft.

Ich komme ja ursprünglich eher aus dem Performancebereich (Anm. d. Red.: Robot Performance war eine eigene Kategorie des zdi-Roboterwettbewerbs.). Ich glaube, unsere wertvollste Fähigkeit war da zu sagen: Ja, das ist alles Absicht, was da passiert. Der Roboter sollte umfallen, dies und das sollte passieren. Alles so geplant.

Dieser Umgang damit, das ist etwas, was man gerade bei solchen Wettbewerben wie auch der Science League beherrschen sollte.


Was ist die zdi-Science League?

Gwendolyn Paul:

Fabio, würdest du einmal starten und die Science League vorstellen? Worum geht es da überhaupt bei diesem Wettbewerb?

Fabio Mancarella:

Zur zdi-Science League generell: Die Science League hat jedes Jahr ein Jahresthema oder jede Saison ein Jahresthema.

In diesem Jahr ist das Jahresthema, einen Food Connect Markt zu bauen im Großen und Ganzen. Und da sind wiederum verschiedene, was wir in der Science League Spieltage nennen, integriert.

Das heißt, an den Spieltagen müssen die Teams verschiedene Aufgaben bewältigen.

Was halt immer noch mit rein spielt, sind inzwischen Persona, das heißt, man hat Vertreter von Personengruppen, auf die die Jugendlichen dann achtgeben müssen und die wiederum in die Spieltagsaufgaben integrieren.

Dann haben die Teams in der Regel zwischen vier bis acht, manchmal sechs Wochen Zeit, die Aufgabe zu bearbeiten, das in Form eines Blogbeitrags zu präsentieren.

Diesen Blogbeitrag wiederum erhalten die Jurymitglieder, die aus verschiedensten MINT-Bereichen kommen, und erhalten dann eine Bewertung und Punkte. Und so wird dann die Tabelle jeden Spieltag aktualisiert.

Bei der Science League haben wir uns die Vorteile klassischer Ligensysteme im Sportbereich zunutze gemacht.

Das heißt, jeder kann teilnehmen und man ist über einen bestimmten Zeitraum dabei, also über die ganze Saison. Man kann nicht ausscheiden.

Auch Teams, die an den ersten Spieltagen noch nicht so gut abgeschnitten haben, können sich über die Saison hinweg steigern und fliegen nicht wie bei einem klassischen K.-o.-System einfach raus.


Warum die Science League anders ist

Gwendolyn Paul:

Du kennst als Teilnehmerin den zdi-Roboterwettbewerb und jetzt als Coach die Science League. Was macht die Science League besonders?

Grit Schiefelbein:

Ursprünglich haben wir die Science League ganz pragmatisch ausgesucht.

Wir waren vorher bei einem Wettbewerb, der mit Regional- und Deutschlandrunden funktionierte. Das bedeutete jedes Mal: Organisation von Übernachtungen, Transport der Materialien und vieles mehr.

Dann sind wir auf die Science League gestoßen.

Was ich besonders schön finde, ist dieses Prinzip der Spieltage, weil man immer einen Zwischenstand präsentieren muss. Ein riesiges Problem bei solchen Wettbewerben ist Zeitmanagement.

Die einzelnen Spieltage ermöglichen es, die Arbeit vorzustrukturieren und mit etwas extrinsischer Motivation besser voranzukommen.

Außerdem finde ich die Science League fair.

Dadurch, dass das Format sehr eng gesteckt ist, gibt es einen klaren Rahmen. Man hat einen Blogbeitrag, der vorstrukturiert ist, ein festes Budget und definierte Vorgaben.

Dadurch geht es mehr ums Können und um die Ideen als darum, wer die meisten Sponsoren gewinnen konnte.


Kreativität statt großes Budget

Fabio Mancarella:

Es sind maximal 800 Euro, die ausgegeben werden können. In der Regel kommen die Teams aber mit viel weniger zurecht.

Das liegt auch daran, dass die Materialien nicht vorgeschrieben sind. Die Teams können frei entscheiden, welche Materialien sie nutzen.

In der Regel wird auch viel recycelt.

Grit Schiefelbein:

Mein Team nimmt nun im zweiten Jahr an der Science League teil.

Das Projekt im letzten Jahr für das Bürgerzentrum haben sie im Endeffekt aus alten Schuhkartons und aus Müll gebaut.

Und sie haben damit den siebten Platz erreicht.

Das ist das Schöne, wenn man sich ein bisschen limitiert.


Was Jugendliche dabei lernen

Gwendolyn Paul:

Welche Herausforderungen gibt es im Team und was macht die Zusammenarbeit mit den Schüler:innen?

Grit Schiefelbein:

Die Ideen zu entwickeln ist die eine Sache. Die andere ist die tatsächliche Umsetzung.

Alle Teilnehmer haben ein Leben außerhalb der Roboter-AG. Sie gehen zur Schule, haben Hobbys und Freunde.

Zeitmanagement ist deshalb eine große Herausforderung.

Wir verfolgen als Coaches einen Hands-off-Approach. Das bedeutet, die Jugendlichen arbeiten möglichst selbstständig.

Wir geben Hilfestellung bei Werkzeugen oder bestimmten Fragestellungen, aber die Organisation übernimmt das Team selbst.

Im ersten Jahr brauchten sie noch mehr Unterstützung. Heute organisieren sie sich weitgehend eigenständig.

Sie planen Termine, berücksichtigen Klassenfahrten oder Schüleraustausche und verteilen Aufgaben selbstständig.

Man sieht deutlich, wie sie selbstständiger arbeiten, weiterdenken und souveräner mit Herausforderungen umgehen.


Future Skills und gesellschaftliche Fragestellungen

Fabio Mancarella:

Im Endeffekt geht es immer darum, die Projekte ganzheitlich zu denken.

Wenn es um den Food Connect Markt geht, geht es nicht nur darum, etwas zu bauen oder zu programmieren.

Es geht auch darum, eigene Konzepte einzubringen.

Wie profitiert die Gesellschaft davon? Wie können wir gemeinschaftlich Herausforderungen lösen?

Das ist ein besonderer Aspekt der zdi-Science League.


MINTspiration: Lieblings-MINT-Orte

Gwendolyn Paul:

Was ist euer Lieblings-MINT-Ort?

Grit Schiefelbein:

Bei mir wäre es das FabLab in Bottrop.

Wer da noch nicht war: Ich kann sehr empfehlen, mal hinzugehen. Es ist ein toller Ort, vollgestopft mit vielen tollen Maschinen und auch Menschen, die diese Maschinen sehr gut bedienen können.

Wenn man eine Bastelidee hat oder einfach schauen möchte, welche Möglichkeiten es gibt, kann man dort wunderbar Zeit verbringen.

Fabio Mancarella:

Ich finde es immer spannend, die Teams der Science League vor Ort zu besuchen.

Zu sehen, wie sie arbeiten, welche Räume sie nutzen und welche Ausstattung vorhanden ist, ist sehr interessant.

Wenn ich noch einen Ort nennen dürfte, den ich auch mit der Science League verbinde, dann ist es die DASA in Dortmund.

Mit den vielen wechselnden Ausstellungen und den Möglichkeiten zum Ausprobieren ist sie immer einen Besuch wert.


Warum Jugendbeteiligung in der MINT-Bildung wichtig ist

Gwendolyn Paul:

Warum ist Jugendbeteiligung in der außerschulischen MINT-Bildung wichtig?

Fabio Mancarella:

Ein wichtiges Thema ist die Frage: Welche Themen sind überhaupt relevant für Jugendliche?

Es geht darum, nicht über sie zu sprechen, sondern mit ihnen.

Deshalb führen wir am Ende jeder Saison Umfragen durch und stehen während der Saison im Austausch mit den Teams.

So können wir herausfinden, welche Themen für die nächste Saison spannend sein könnten.

Es würde wenig bringen, Themen vorzugeben, an denen die Jugendlichen gar kein Interesse haben.


Offen für alle statt nur für Expert:innen

Grit Schiefelbein:

Was ich an der Science League und auch an den zdi-Wettbewerben allgemein sehr schön finde: Die Anforderungen sind umsetzbar, altersgerecht und pädagogisch durchdacht.

Ich habe auch an Wettbewerben teilgenommen, bei denen die Anforderungen immer höher wurden.

Dabei gerät manchmal aus dem Blick, dass solche Wettbewerbe eigentlich für Kinder und Jugendliche gemacht sind.

Wenn man wirklich Menschen für MINT begeistern möchte, muss man auch diejenigen erreichen, die vielleicht nur ein erstes Interesse mitbringen.

Das Schöne an der Science League ist: Sie ist machbar.

Man braucht kein riesiges Vorwissen oder teure Ausstattung.

Man liest die Regeln, macht einen Plan und legt los.

Damit kommt man oft schon sehr weit.


Vom AG-Mitglied zum Coach

Gwendolyn Paul:

Du warst früher selbst Schülerin in der Roboter-AG und organisierst sie heute. Was hat bei dir den Funken entfacht?

Grit Schiefelbein:

Damals hing ein Flyer an der Schule: „Hast du Spaß an Robotern oder möchtest lernen, wie man Roboter baut?“

Dann bin ich hingegangen.

Und ich bin im Laufe der Jahre einfach kleben geblieben.

Ich habe dort schöne Zeiten erlebt, viel gelernt und Freundschaften geschlossen.

Damals war ich zehn Jahre alt, heute bin ich vierundzwanzig.

Diese AG begleitet mich also schon mehr als die Hälfte meines Lebens.

Sie hat mich dahin geführt, wo ich heute bin.

Es war kein einzelner Moment, sondern viele kleine Erfahrungen, die mir geholfen haben herauszufinden, was mich interessiert und welche Bereiche ich besonders spannend finde.

Das Wichtigste ist letztlich, dass man Erfolgserlebnisse hat.

Dass man merkt: Ich habe eine Aufgabe und ich kann sie schaffen.


MINTspiration: Wünsche für die Zukunft

Gwendolyn Paul:

Wie können wir künftig noch mehr junge Menschen für MINT-Bildungsangebote begeistern?

Fabio Mancarella:

Ich würde es großartig finden, wenn es noch mehr feste Anlaufpunkte für Jugendliche gäbe.

So selbstverständlich wie Sportvereine oder Musikschulen sollten auch MINT-Vereine werden.

Orte, an denen Jugendliche jederzeit teilnehmen können, wenn sie Interesse an MINT-Themen haben.

Grit Schiefelbein:

Mein Wunsch geht stärker in den schulischen Bereich.

Viel hängt derzeit vom Engagement einzelner Lehrkräfte ab.

Da wünsche ich mir mehr personelle und finanzielle Ressourcen.

Außerdem wünsche ich mir, dass MINT offen gedacht wird.

MINT kann auch bedeuten, die Physiksammlung auszuräumen, Dinge auszuprobieren und neugierig zu sein.

Gerade in Schulen lassen sich Angebote sehr niedrigschwellig gestalten.

Man geht nach dem Unterricht in einen Raum, probiert etwas aus und entdeckt neue Interessen.

So erreicht man nicht nur diejenigen, die ohnehin begeistert sind, sondern auch diejenigen, die erste Berührungspunkte suchen.


Verabschiedung

Gwendolyn Paul:

MINT braucht Mut, finde ich ein gutes Schlusswort.

Und ich finde, das gilt nicht nur schulisch, sondern auch außerschulisch.

Dann bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich für das Gespräch zu bedanken.

Und bei allen Zuhörer:innen herzlich danke fürs Zuhören.

Vielen Dank und bis zum nächsten Podcast.

Sprecherin:

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zdi.NRW ist die Gemeinschaftsoffensive für den MINT-Nachwuchs in Nordrhein-Westfalen und wird initiiert und koordiniert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Weitere Informationen findet ihr auf zdi.nrw