MINTspiriert durch ESA-Astronautin Amelie Schoenenwald: Mit zdi.NRW auf Mission All!

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5–8 Minuten

In der 3. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert! – der zdi-Podcast, spricht Gwendolyn Paulmit der ESA-Reserveastronautin Amelie Schoenenwald. Die promovierte Strukturbiologin wurde 2022 in die Astronaut:innenreserve der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) aufgenommen und gehört zu den beiden deutschen Reserveastronautinnen ihrer Auswahlrunde. Im Gespräch berichtet sie von ihrem Weg in die Raumfahrt, ihrem Astronaut:innentraining, der Bedeutung von MINT-Kompetenzen und Teamarbeit sowie von der Rolle von Vorbildern für Mädchen und Frauen in Wissenschaft und Raumfahrt.

In diesem Beitrag findet Ihr das Transkript der Folge. Die aktuelle Folge findet Ihr auch auf YouTubeApple Podcast und Spotify.

Das Bild zeigt das Cover der 3. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert mit Gwendolyn Paul und Dr. Amelie Schoenenwald

Weitere Informationen zum Podcast und alle Folgen findet Ihr hier:


Begrüßung

Sprecherin:

Beim MINTspiriert! – der zdi-Podcast nehmen wir euch mit in die MINT-Community und holen uns von unseren Gäst:innen Inspirationen zu MINT-Themen.

Gwendolyn Paul:

Willkommen bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast. Ich bin Gwendolyn Paul von der zdi-Landesgeschäftsstelle und heute lassen wir uns inspirieren von der ESA-Reserveastronautin, Wissenschaftlerin und Abenteurerin Amelie Schoenenwald.

Heute möchte ich mit ihr darüber sprechen, wie man Astronautin wird, warum interdisziplinäre MINT-Kompetenzen in der Raumfahrt so wichtig sind und weshalb Abenteuerlust, Wissenschaft und Teamarbeit oft näher zusammenliegen, als man denkt.

Herzlich willkommen, Amelie.

Amelie Schoenenwald:

Hallo. Schön, dass ich hier sein darf.


MINTspiration: Was wäre, wenn MINT eine Abenteuerexpedition wäre?

Gwendolyn Paul:

Wenn MINT eine Abenteuerexpedition wäre: Wohin würde es gehen? Und wäre die Mission mehr Forschung oder mehr Abenteuer?

Amelie Schoenenwald:

Ich würde das Meer nehmen. Das Meer ist wahnsinnig vielfältig. Man kann zunächst von der Wasseroberfläche aus hineinschauen, später Korallenriffe entdecken und immer tiefer hinabtauchen.

Je tiefer man geht, desto dunkler wird es und desto mehr muss man erforschen. Dann wird es tatsächlich mehr zum Abenteuer.

Ganz unten in der Tiefsee gibt es noch so viele Dinge, von denen wir gar nicht wissen, dass sie existieren. Und genauso würde ich auch MINT beschreiben: vielseitig, spannend und voller neuer Entdeckungen.


Der erste Komet und die Begeisterung für das Universum

Gwendolyn Paul:

Gab es einen Schlüsselmoment, der deine Begeisterung für die Raumfahrt geweckt hat?

Amelie Schoenenwald:

Ich habe schon als Kind die Sterne geliebt und oft nachts in den Himmel geschaut.

Den entscheidenden Moment gab es, als mich meine Mutter nachts weckte und auf den Speicher führte. Dort habe ich zum ersten Mal den Kometen Hale-Bopp gesehen.

Das war Wissenschaft zum Anfassen.

Danach habe ich angefangen, alles über Astronomie und Naturwissenschaften zu lesen, was ich in die Finger bekommen konnte.

Astronautin zu werden erschien mir damals allerdings noch sehr weit weg. Deshalb führte mich mein Weg zunächst über die Naturwissenschaften. Besonders Biologie und Chemie haben mich fasziniert, weshalb ich später Biochemie studiert habe.


Vom Biochemiestudium zum MBA

Gwendolyn Paul:

Du hast später zusätzlich einen MBA gemacht. Warum?

Amelie Schoenenwald:

Nach dem Abitur gab es viele Dinge, die mich interessiert haben. Ich wollte zeitweise Medizin studieren, Autorin oder Meeresbiologin werden.

Letztlich habe ich mich für Biochemie entschieden, weil mich die grundlegende Frage interessiert hat, was Leben eigentlich ausmacht.

Fast zwölf Jahre war ich anschließend in der akademischen Forschung tätig. Gegen Ende meiner Promotion stellte sich für mich die Frage, ob ich an der Universität bleiben oder in die Wirtschaft wechseln möchte.

Ich wollte besser verstehen, wie Unternehmen funktionieren und wie Entscheidungen getroffen werden. Deshalb habe ich den MBA absolviert.


Warum MINT-Kompetenzen allein nicht ausreichen

Gwendolyn Paul:

Neben Fachwissen sind heute auch sogenannte Future Skills gefragt. Warum ist diese Kombination wichtig?

Amelie Schoenenwald:

Wissen allein reicht nicht aus.

Entscheidend ist, dass man dieses Wissen anwenden, übersetzen und gemeinsam mit anderen weiterentwickeln kann.

Man kann die beste Idee der Welt haben. Wenn man aber nicht in der Lage ist, ein Team oder eine Organisation davon zu überzeugen, wird sie nicht umgesetzt.

Deshalb sind Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, auch die Ideen anderer anzunehmen, so wichtig.


Astronaut:innenausbildung bei der ESA

Gwendolyn Paul:

Wie sieht das Training als Reserveastronautin aus?

Amelie Schoenenwald:

Reserveastronaut:innen sind nicht fest bei der ESA angestellt. Deshalb arbeite ich weiterhin als Projektmanagerin in der Pharmaindustrie.

Für die Ausbildung nehme ich jedes Jahr etwa zwei Monate Sabbatical und gehe in dieser Zeit ins Europäische Astronautenzentrum nach Köln.

Dort treffen sich Reserveastronaut:innen aus ganz Europa. Wir lernen gemeinsam die unterschiedlichen Bereiche der Raumfahrt kennen und bauen trotz verschiedener fachlicher Hintergründe eine gemeinsame Wissensbasis auf.

Man hilft sich gegenseitig und lernt voneinander. Das erinnert tatsächlich ein wenig an eine Schulklasse.


Winter Survival in den Pyrenäen

Amelie Schoenenwald:

Ein absolutes Highlight war für mich das Winter-Überlebenstraining in den Pyrenäen.

Dort haben wir eine Woche lang im Winter gecampt und gelernt, unter schwierigen Bedingungen zu überleben.

Besonders spannend war die Teamarbeit. Jeden Tag wechselten die Verantwortlichkeiten. Mal war jemand für die Navigation zuständig, mal für die medizinische Versorgung oder die Expeditionsleitung.

Dadurch konnte man beobachten, wie unterschiedlich Menschen führen und wie Teams in herausfordernden Situationen zusammenarbeiten.


MINTspiration: Lieblings-MINT-Ort

Gwendolyn Paul:

Was ist dein Lieblings-MINT-Ort?

Amelie Schoenenwald:

Das Europäische Astronautenzentrum in Köln-Porz.

Dort trainieren nicht nur europäische Astronaut:innen, sondern auch internationale Raumfahrer:innen aus der ganzen Welt.

Wenn man in Deutschland Astronaut:innen begegnen möchte, dann vermutlich am ehesten dort.


Frauen in der Raumfahrt

Gwendolyn Paul:

Hattest du jemals das Gefühl, dass du als Frau schlechtere Chancen hast, Astronautin zu werden?

Amelie Schoenenwald:

Historisch gesehen waren die Hürden für Frauen tatsächlich höher.

Frühere Auswahlverfahren bevorzugten beispielsweise Testpilot:innen. Da es kaum weibliche Testpilotinnen gab, war der Zugang automatisch eingeschränkt.

Heute sieht das anders aus. In unserer ESA-Auswahlrunde sind fast die Hälfte der ausgewählten Personen Frauen.

Ich glaube nicht, dass Frauen oder Männer grundsätzlich besser für die Raumfahrt geeignet sind.

Wichtig ist jedoch Sichtbarkeit. Je mehr Astronautinnen, Wissenschaftlerinnen oder Ingenieurinnen sichtbar werden, desto selbstverständlicher erscheinen diese Berufswege auch für junge Mädchen.


Warum Selbstvertrauen wichtiger ist als Geschlechterklischees

Amelie Schoenenwald:

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass junge Menschen herausfinden, was ihnen Spaß macht.

Wenn ein Mädchen Mathematik liebt, dann sollte sie diesem Interesse folgen, unabhängig davon, welche Erwartungen andere daran knüpfen.

Außerdem glaube ich, dass persönliches Wachstum häufig außerhalb der Komfortzone stattfindet.

Es ist normal, sich manchmal unsicher zu fühlen. Oft sind genau diese Situationen die Momente, in denen man am meisten lernt.


Große Träume aussprechen

Gwendolyn Paul:

Welchen Rat würdest du jungen Menschen mitgeben?

Amelie Schoenenwald:

Traut euch, groß zu träumen.

Und vor allem: Sprecht über eure Träume.

Es gibt viele Menschen, die unterstützen möchten. Häufig entstehen Chancen erst dann, wenn andere erfahren, wofür man sich begeistert.

Wer seine Interessen offen zeigt und den Mut hat, erste Schritte zu gehen, eröffnet sich oft Möglichkeiten, mit denen man vorher nicht gerechnet hätte.


MINTspiration für die Zukunft

Gwendolyn Paul:

Wie sieht dein Wunsch für die nächste Generation von Wissenschaftler:innen und Astronaut:innen aus?

Amelie Schoenenwald:

Ich freue mich auf die Perspektiven der nächsten Generation.

Ich wünsche mir, dass viele junge Menschen den Mut haben, anspruchsvolle Zukunftsthemen anzupacken.

Ein Beispiel ist Cybersecurity. Dieser Bereich wird zunehmend wichtiger, gleichzeitig fehlen dort Fachkräfte und insbesondere Frauen.

Deshalb gilt: Traut euch, den Schritt zu gehen, auch wenn er herausfordernd erscheint.


Verabschiedung

Gwendolyn Paul:

Vielen Dank, dass du uns mit auf diese Reise genommen hast.

Und natürlich vielen Dank an alle Zuhörer:innen. Bis zum nächsten Podcast.

Sprecherin:

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zdi.NRW ist die Gemeinschaftsoffensive für den MINT-Nachwuchs in Nordrhein-Westfalen und wird initiiert und koordiniert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Weitere Informationen findet ihr auf zdi.nrw