Mathe und Mondstaub: Raumfahrtingenieurin Maria Richter im zdi-Heldinnen-Portrait

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Mondstaub, Krater und ein Rover, der selbstständig Hindernisse erkennen soll: Was nach einer Szene aus einer zukünftigen Mondmission klingt, gehört für Maria Richter zum Arbeitsalltag. Als Raumfahrtingenieurin arbeitet sie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Mond-Analog-Anlage LUNA in Köln. Dort werden Instrumente, Rover und andere technische Systeme getestet, bevor sie möglicherweise auf dem Mond zum Einsatz kommen. Als Schülerin hatte sie die Raumfahrt als Berufsfeld allerdings noch gar nicht auf dem Schirm.

Maria Richter mit Helm und einem Ganzkörperanzug. Im Hintergrund ist die Nachbildung einer Mondlandschaft erkennbar.
Raumfahrtingenieurin Maria Richter in der Mond-Analog-Anlage LUNA in Köln, Foto: DLR

Kein gerader Weg, sondern der eigene

„Es war auf jeden Fall kein gerader Weg“, sagt Maria rückblickend über ihren Werdegang. Mathematik gehörte in der Schule zu ihren Lieblingsfächern, Physik und Chemie hatte sie dagegen mangels Begeisterung für diese Fächer abgewählt. Nach dem Abitur hatte sie keine klare Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft und ging erstmal ins Ausland.

Eine Zeit lang wollte sie Pilotin werden. Doch die kurze Ausbildungszeit und die Sorge, sich beruflich zu sehr festzulegen, hielten sie zunächst davon ab. Maschinenbau erschien ihr deshalb als guter Ausgangspunkt. Das Studium an der RWTH Aachen konnte sie in die Luft- und Raumfahrt führen, hielt aber auch viele andere Wege offen.

Zunächst deutete vieles auf eine Zukunft in der Luftfahrt hin. Während eines Praktikums erhielt Maria Einblicke in unterschiedliche Bereiche, darunter die Triebwerkswartung und Fahrwerksüberholung.

Dabei wurde ihr bewusst, wie weit die zivile Luftfahrt entwickelt ist. Die Raumfahrt dagegen erschien Maria als ein Feld voller offener Fragen und neuer Möglichkeiten. Genau das faszinierte sie.

Einen wichtigen Impuls gab ihr wenig später ein Vortrag über Kommunikation und Zusammenhalt in Extremsituationen. Das Thema Raumfahrt ließ sie nicht mehr los. Im Masterstudium entschied sie sich deshalb für den Schwerpunkt Raumfahrttechnik.

Das Traumszenario DLR

Die Richtung war nun klar, aber der Weg dahin nicht ganz einfach. An ihrer Universität wurden Raumfahrtthemen überwiegend von Gastdozenten unterrichtet, während die Professoren im Bereich Luft- und Raumfahrt vor allem aus der Luftfahrt kamen. Entsprechend schwierig war es, eine Masterarbeit mit Raumfahrtbezug zu finden. Während der langen Suche fragte Maria sich immer wieder, ob sie das Richtige studiert hatte und wie es für sie weitergehen sollte.

Die passende Möglichkeit fand sie schließlich beim DLR in Köln. Für Maria war das ein echtes „Traumszenario“, sagt sie. Nach einem guten halben Jahr, in dem sie dort ihre Masterarbeit schrieb, wurde ihr eine Stelle angeboten. So konnte sie nahtlos in den Beruf einsteigen.

Arbeiten für die Mondmissionen von morgen

Heute arbeitet Maria in LUNA, einer gemeinsamen Mond-Analog-Anlage vom DLR und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Auf einer nachgebildeten Mondoberfläche testen Gruppen beispielsweise, wie sich Instrumente und Rover auf Mondstaub verhalten, wie mit den Systemen kommuniziert werden kann und ob ein autonom fahrender Rover Steine und kleine Krater erkennt.

Zu den Nutzer:innen gehören Universitäten, Forschungsinstitute, Unternehmen und internationale Raumfahrtorganisationen. Eine besondere Herausforderung sind die Lichtverhältnisse: Weil der Mond keine Atmosphäre hat, gibt es dort keine Lichtstreuung. Schatten sind tiefschwarz und können Steine oder Krater verbergen, die ein autonom fahrender Rover rechtzeitig erkennen muss.

Maria bereitet solche Testkampagnen gemeinsam mit ihrem Team vor, begleitet die Gruppen in der Halle und wertet anschließend aus, was sich beim nächsten Mal verbessern lässt. Außerdem arbeitet sie mit daran, den Betrieb der Anlage weiterzuentwickeln.

Auf LinkedIn, bei Vorträgen und in Interviews macht sie Raumfahrt greifbar und zeigt, wie vielfältig technische Berufe sein können.

Sichtbarkeit schafft Möglichkeiten

In Marias Maschinenbaustudium lag der Frauenanteil bei rund 11,5 Prozent. Während ihres Bachelorstudiums begegnete sie in technischen Fächern nur einer Professorin. Im Alltag habe sie das nicht ständig beschäftigt, sagt sie. Rückblickend glaubt sie jedoch, dass Frauen mit weniger Selbstverständlichkeit in bestimmte Räume gehen, wenn sie dort kaum andere Frauen sehen, mit denen sie sich identifizieren können.

Im Studium und im Beruf hat sie überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Mit wachsender Erfahrung rückten für sie die Inhalte immer stärker in den Mittelpunkt. Trotzdem wünscht sie sich, dass Frauen in MINT-Positionen selbstverständlicher wahrgenommen werden.

Sichtbar zu sein, empfindet Maria deshalb als Chance, anderen Orientierung zu geben. Außerdem möchte sie auch zeigen, dass es viele Wege in die Raumfahrt und in MINT-Berufe gibt. Nicht nur klassische ingenieurstechnische Fächer eröffnen den Zugang. Auch Biologie, Medizin oder Psychologie können in die Raumfahrt führen. Entscheidend ist aus ihrer Sicht, dass insbesondere junge Frauen diese Möglichkeiten kennenlernen.

Lehrkräfte und Eltern spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie können Interesse wecken, Orientierung geben und jungen Menschen etwas zutrauen. Gerade Mädchen sollten technische und naturwissenschaftliche Wege früh als reale Möglichkeit angeboten bekommen.

Eine Frau steht auf einer Bühne und hält einen Vortrag. Vor ihr ist ein Publikum zu erkennen.
Maria Richter beim Herbstsymposium am Science College Overbach, Foto: Haus Overbach gGmbH

Einfach ausprobieren

Marias Rat an junge Frauen ist deshalb: Einfach ausprobieren. Niemand müsse schon als Kind wissen, ob er oder sie später Raumfahrtingenieurin werden möchte. Auch vermeintliche Wissenslücken seien kein Grund, einen interessanten Weg von vornherein auszuschließen. Vieles lasse sich lernen, wenn das Interesse da ist.

Dass Frauen in Deutschland in vielen MINT-Fächern noch unterrepräsentiert sind, hat für Maria nichts mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu tun. In anderen Ländern seien Frauen teilweise wesentlich selbstverständlicher in diesen Bereichen vertreten.

Maria wusste als Schülerin nicht, dass sie einmal in der Raumfahrt arbeiten würde. Heute begleitet sie mit ihrem Team Tests für Technologien, die eines Tages auf dem Mond zum Einsatz kommen könnten. Dazwischen lagen Ungewissheit, Zweifel, aber auch neue Interessen und unerwartete Möglichkeiten und Chancen.

Genau darin liegt auch eine Botschaft des zdi-Heldinnen-Oktobers: Es gibt nicht den einen Weg in einen MINT-Beruf. Marias Geschichte macht Mut, den eigenen Interessen zu folgen, Neues auszuprobieren und darauf zu vertrauen, dass sich der nächste Schritt erst unterwegs entwickeln kann.