Wie können die Sterne für MINT begeistern? – MINTspiriert! durch Marianne Langener, Astronomin an der der Volkssternwarte Recklinghausen

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6–9 Minuten

Transkript der Podcast-Folge 3.1 von MINTspiriert! – der zdi-Podcast

Die 1. Folge der 3. Staffel von MINTspiriert! – der zdi-Podcast wurde ausgestrahlt zum Tag der Mädchen und Frauen in der Wissenschaft. In der Folge spricht Gwendolyn Paul von der zdi-Landesgeschäftsstelle mit Marianne Langener, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westfälischen Volkssternwarte Recklinghausen. Im Mittelpunkt stehen Mädchen und Frauen in der Wissenschaft, Astronomie als Zugang zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz: MINT) sowie die Frage, wie sich junge Menschen für Forschung und Wissenschaft begeistern lassen. Außerdem geht es um Weltraumforschung, Medienkompetenz, Zukunftskompetenzen und die Rolle außerschulischer Lernorte für die MINT-Bildung.

In diesem Beitrag findet Ihr das Transkript der Folge. Ihr findet die Folge auch auf YouTube, Apple Podcast und Spotify.

Weitere Informationen zum Podcast und alle Folgen findet Ihr hier:


Begrüßung

Sprecherin:

Bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast nehmen wir euch mit in die MINT-Community und holen uns von unseren Gäst:innen Inspirationen zu MINT-Themen.

Gwendolyn Paul:

Willkommen zur ersten Folge im Jahr 2026 von MINTspiriert! – der zdi-Podcast.

Das ist bereits die dritte Staffel des Podcasts. Am Veröffentlichungstag dieser Folge, dem 11. Februar, wird weltweit der Internationale Tag der Mädchen und Frauen in der Wissenschaft begangen. Gleichzeitig steht das zdi-Jahresthema 2026 unter dem Motto „Mission All!“.

Zwei hervorragende Gründe also, um heute mit Marianne Langener zu sprechen. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Westfälischen Volkssternwarte Recklinghausen.

Herzlich willkommen, Marianne.

Marianne Langener:

Hallo, freut mich. Vielen Dank, dass ich da sein darf.


MINTspiration: Was wäre, wenn MINT ein Teleskop wäre?

Gwendolyn Paul:

Was wäre, wenn MINT ein Teleskop wäre? Was kann man durch MINT erkennen, was mit bloßem Auge unsichtbar bleibt?

Marianne Langener:

Wenn man an ein Teleskop denkt, denkt man zunächst daran, tief ins All zu schauen und weit entfernte Dinge sichtbar zu machen.

Teleskope zeigen jedoch auch Dinge, die unser Auge grundsätzlich nicht erkennen kann. In der Praxis arbeiten wir beispielsweise mit Filtern, um Strukturen auf Bildern sichtbar zu machen und diese anschließend wieder zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen.

Im MINT-Bereich funktioniert das ganz ähnlich. Wir teilen die Erforschung unserer Welt in viele einzelne Bereiche auf und differenzieren diese immer weiter aus. Erst wenn wir das Gesamtbild wieder zusammensetzen, verstehen wir die Zusammenhänge und die Gesetzmäßigkeiten, nach denen unsere Welt funktioniert.

MINT hilft uns also nicht nur dabei, die Welt zu sehen, sondern sie zu verstehen.

Gwendolyn Paul:

Also hilft MINT dabei, die Welt zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen.

Marianne Langener:

Genau das.


Arbeiten zwischen Sternwarte und Forschung

Gwendolyn Paul:

Was machst du als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Volkssternwarte Recklinghausen?

Marianne Langener:

Meine Aufgabe ist es, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen begeistert von meinem Fach zu erzählen und für Astronomie und Naturwissenschaften zu werben.

Neben meiner Tätigkeit an der Sternwarte promoviere ich am Astronomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum und forsche dort an Galaxien.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit hier vor Ort liegt jedoch auf Wissenschaftskommunikation und Bildungsarbeit.


Der Weg in die Astronomie

Gwendolyn Paul:

Wie bist du überhaupt zur Astronomie gekommen?

Marianne Langener:

Eigentlich wollte ich das schon immer machen.

Wenn ich heute mit Schülerinnen spreche, höre ich oft Aussagen wie: „Ich kann das nicht“ oder „Ich weiß nicht, ob ich dafür gut genug bin.“

Diese Selbstzweifel kenne ich selbst sehr gut. Deshalb bin ich anfangs auch nicht direkt in die Astronomie gegangen, sondern habe zunächst geisteswissenschaftliche Fächer studiert.

Irgendwann habe ich jedoch gemerkt, dass man dem folgen sollte, wofür man sich wirklich begeistert.

Also habe ich mich getraut, Physik zu studieren und mich anschließend auf Astronomie zu spezialisieren.


Frauen in Naturwissenschaften und Forschung

Gwendolyn Paul:

Wie sieht es heute mit dem Frauenanteil in deinem Fachbereich aus?

Marianne Langener:

Ich habe mich im Studium nicht als absolute Minderheit gefühlt.

Bei uns am Institut liegt der Frauenanteil unter den Studierenden ungefähr bei vierzig Prozent. In einem aktuellen Kurs kommen wir sogar auf eine Verteilung von fünfzig zu fünfzig.

Gerade in der Astronomie sind Frauen im Studium und in frühen Karrierephasen inzwischen gut vertreten.


Wie MINT-Angebote Mädchen und Jungen gleichermaßen erreichen

Gwendolyn Paul:

Hast du Tipps für klischeefreie MINT-Angebote?

Marianne Langener:

Astronomie ist ein Thema, das Mädchen und Jungen gleichermaßen motivieren kann.

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Kinder verschiedene Vorbilder erleben. Wenn Mädchen sehen, dass Frauen MINT-Kurse leiten, fällt der Zugang oft leichter.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, Angebote möglichst gemeinsam zu gestalten.

Natürlich können spezielle Formate für Mädchen sinnvoll sein, um erste Hürden abzubauen. Langfristig ist es aber schön, wenn alle gemeinsam lernen, experimentieren und forschen.

Entscheidend ist, dass wir keinen Unterschied machen und möglichst alle gleichermaßen ansprechen.


Vorbilder in der Astronomie

Gwendolyn Paul:

Gibt es Wissenschaftlerinnen, die dich besonders inspiriert haben?

Marianne Langener:

Ich denke dabei weniger an eine einzelne Person als an eine ganze Gruppe von Frauen.

An der Harvard University gab es Astronominnen, die wesentlich dazu beigetragen haben, die Physik von Sternen zu entschlüsseln.

Sie haben einen enormen Beitrag zur Astronomie geleistet.

Bemerkenswert finde ich, wie diese Wissenschaftlerinnen sich durchgesetzt haben und gemeinsam gearbeitet haben. Das macht sie bis heute zu wichtigen Vorbildern.


MINTspiration: Lieblings-MINT-Ort

Gwendolyn Paul:

Was ist dein Lieblings-MINT-Ort?

Marianne Langener:

Eigentlich wäre die naheliegende Antwort ein Planetarium.

Wenn ich allerdings noch einen Schritt weitergehe, dann ist mein Lieblings-MINT-Ort der Sternenhimmel selbst.

Dafür braucht man nur einen klaren Nachthimmel.

Wenn man hinausgeht und die Sterne beobachtet, beginnt man automatisch Fragen zu stellen: Warum unterscheiden sich Sterne in Helligkeit und Farbe? Warum bewegt sich der Mond anders als die Planeten?

Genau diese Neugier macht den Sternenhimmel für mich zu einem perfekten MINT-Ort.


Sternwarte oder Planetarium: Wo liegt der Unterschied?

Gwendolyn Paul:

Kannst du kurz erklären, worin sich eine Sternwarte und ein Planetarium unterscheiden?

Marianne Langener:

In einer Sternwarte steht ein Teleskop, mit dem wir den echten Himmel und reale astronomische Objekte beobachten.

Im Planetarium wird dagegen ein künstlicher Sternenhimmel projiziert.

Der große Vorteil: Das funktioniert unabhängig von Wetter, Tageszeit oder Jahreszeit.

Man kann dort Sternenhimmel aus unterschiedlichen Zeitepochen darstellen und beobachten.

Der Unterschied lässt sich deshalb einfach zusammenfassen: Projektion versus Realität.


Astronomie-Angebote mit zdi.NRW

Gwendolyn Paul:

Welche Angebote setzt ihr gemeinsam mit zdi.NRW um?

Marianne Langener:

Seit mehreren Jahren gibt es gemeinsam mit der Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch Innovation NRW (kurz: zdi.NRW) eine Astronomie-AG.

Die AG trifft sich regelmäßig und beschäftigt sich jedes Jahr mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Im vergangenen Jahr ging es beispielsweise um Fake News rund um die Mondlandung.

Dabei ist mir wichtig, nicht nur Physik zu vermitteln, sondern auch Medienkompetenz, wissenschaftliches Denken und gesellschaftliche Fragestellungen einzubeziehen.

Zusätzlich führen wir Projekttage durch, bei denen Schulklassen beispielsweise einen astronomischen Escape Room lösen und dabei spielerisch lernen, wie Sterne entstehen und enden.


Aktuelle Trends in der Raumfahrt

Gwendolyn Paul:

Welche Weltraumthemen sind derzeit besonders spannend?

Marianne Langener:

Natürlich spielt die Artemis-Mission aktuell eine große Rolle.

Besonders spannend finde ich aber auch die PLATO-Mission.

Dort geht es um die Suche nach Exoplaneten. Das langfristige Ziel ist es, erdähnliche Welten zu entdecken.

Die Frage, ob es weitere bewohnbare Planeten gibt, fasziniert Kinder und Jugendliche enorm.

Dieses Thema taucht praktisch in jeder Veranstaltung auf.


Warum Astronomie Zukunftskompetenzen vermittelt

Gwendolyn Paul:

Warum eignet sich Astronomie besonders gut, um Zukunftskompetenzen zu fördern?

Marianne Langener:

Astronomie vereint praktisch alle MINT-Fächer.

Um das Weltall zu erforschen, brauchen wir Physik, Mathematik, Informatik und Ingenieurwissenschaften gleichermaßen.

Die Erforschung des Universums ist immer eine Gemeinschaftsleistung.

Außerdem öffnet Astronomie den Blick über die Fachgrenzen hinaus. Sie verbindet naturwissenschaftliche Fragen mit gesellschaftlichen, philosophischen und erkenntnistheoretischen Fragestellungen.

Deshalb eignet sie sich besonders gut als Ausgangspunkt für ganzheitliches Lernen.


Ein Rat an junge Menschen

Gwendolyn Paul:

Welche Botschaft möchtest du jungen Menschen mitgeben, die über ihre berufliche Zukunft nachdenken?

Marianne Langener:

Keine Entscheidung ist endgültig.

Wenn man merkt, dass ein Weg nicht der richtige ist, kann man ihn ändern.

Deshalb lohnt es sich, dem zu folgen, was wirklich Spaß macht.

Leidenschaft und Begeisterung sind häufig die Grundlage dafür, etwas langfristig und erfolgreich zu machen.

Wer etwas gerne tut, bleibt meistens auch dabei.


MINTspiration: Wünsche für die Zukunft

Gwendolyn Paul:

Wenn das Teleskop der Sternwarte in die Zukunft schauen könnte: Was würdest du dort gerne sehen?

Marianne Langener:

Ich wünsche mir ein noch stärkeres Zusammenspiel der Bildungspartner.

Genau darin liegt aus meiner Sicht eine große Stärke von zdi.NRW: unterschiedliche Akteur:innen miteinander zu vernetzen.

Für die Sternwarte wünsche ich mir, dass wir unser Workshop- und Schülerlabor-Angebot weiter ausbauen können und noch mehr junge Menschen erreichen.

Das Interesse an astronomischen Themen ist bereits im Grundschulalter sehr groß.

Deshalb sollten wir frühzeitig Möglichkeiten schaffen, MINT-Berufe kennenzulernen und Begeisterung für Wissenschaft zu entwickeln.

Für diese Aufmerksamkeit muss man dauerhaft werben und kontinuierlich Angebote schaffen.


Verabschiedung

Gwendolyn Paul:

Vielen Dank für das Gespräch.

Und vielen Dank an alle Zuhörer:innen.

Wer mehr über Raumfahrt, Zukunftskompetenzen und das zdi-Jahresthema „Mission All!“ erfahren möchte, findet weitere Informationen auf dem zdi-Portal.

Bis zum nächsten Podcast.

Marianne Langener:

Danke auch. Tschüss!

Sprecherin:

Das war MINTspiriert! – der Podcast von zdi.NRW mit Gäst:innen aus der MINT-Community. Fühlt ihr euch MINTspiriert? Dann freuen wir uns über ein Abo und eine Bewertung. Besucht uns auch gerne bei LinkedIn oder auf Instagram.